Warum schlafen alte Hunde viel?

Schlafende Hunde soll man nicht wecken – das gilt auch und gerade im Seniorenalter. Oftmals bekommst du deine graue Schnauze auch gar nicht wach. Warum nur schlafen alte Hunde so viel?
Warum schlafen alte Hunde viel
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Geht es dir wie mir? Die verrückte Welpenzeit war erst gestern, die langen Spaziergänge und gemeinsamen Aktivitäten sind fest in der Tagesroutine verankert, doch nun ist dein Hund – alt. Meine Hündin Idgie wird neun, ein Alter gemeinhin, da Hunde zu den Senioren zählen. Viel merke ich davon nicht, sie ist immer noch der selbe Quatschkopf und Wirbelwind wie in der Junghundezeit, wenn wir draußen gemeinsam unterwegs sind. Einzig und allein im Haus sind die ersten Veränderungen zu sehen: Sie geht nicht immer jeden meiner Wege mit, sondern bleibt lieber genüsslich in ihrem Donut liegen. Morgens aufstehen, wenn es noch gar nicht hell ist – nee, lass mal. Dafür sucht sie öfters im Schlaf Körperkontakt zu mir.

Ist es also normal, dass alte Hunde mehr und anders schlafen? Gehen wir der Sache auf den Grund!

Mythos Hundeschlaf

via GIPHY

Bis vor einigen Jahren hat sich kaum ein:e Hundehalter:in wirklich mit dem Thema Schlaf von Hunden beschäftigt. Dass Katzen nicht ohne ihren geregelten Schönheitsschlaf auskommen, ist schon lange anerkannt, doch Hunde sollten der landläufigen Meinung nach einfach „allzeit bereit“ sein.

Dabei brauchen auch unsere Hunde deutlich mehr Schlaf als wir Menschen und laufen mit einem zu straffen Beschäftigungsprogramm (und zu wenig Ruhe- und Schlafphasen) in Gefahr, ein echtes Nervenbündel zu werden. Denn wie wir Menschen auch, verarbeiten Hunde das Erlebte, Gesehene, Gerochene im Schlaf. Zu wenig Schlaf und zu viel Stress führen auch bei Hunden zu einer Schwächung des Immunsystems.

Ein gesunder, erwachsener Hund braucht zwischen 12 bis 18 Stunden Schlaf beziehungsweise Ruhephasen. Wie viel Schlaf der Hund wirklich benötigt, hängt von vielen Faktoren ab. Unterscheiden musst du zudem zwischen dem „Dösen“ und dem echten Tiefschlaf. Auf letzteren entfallen nur etwa 6 bis 8 Stunden. Der Rest wird „gechillt“.

Daneben besitzen Hunde die beneidenswerte Fähigkeit, quasi aus dem Nichts aus dem Schlaf in die „Betriebstemperatur“ zu wechseln. Der Postbote klingelt? Die Kühlschranktür geht auf? Hallo, ich bin da! Bei meiner Hündin Idgie reicht es (immer noch), wenn eine Katze über unser Grundstück schleicht, um sofort hellwach zu sein. 

Und noch einen Unterschied zum menschlichen Schlaf gibt es bei Hunden: Sie passen ihre Ruhezeiten an die Umgebung an. „Hunde sind weder streng nachtaktiv noch tagaktiv. Sie sind soziale Schläfer“, konstatiert Dr. Joan C. Hendricks. Diesem Umstand verdankst du es, dass die meisten Hunde die Nacht mit dir gemeinsam verpennen und sich auf der Arbeit oder im Homeoffice eine gesunde Portion Büroschlaf gönnen.

Ist es normal, dass alte Hunde viel schlafen?

Wie auch bei uns Menschen, so verändert sich das Schlafverhalten alter Hunde. Ein Grund ist der verlangsamte Stoffwechsel. Der wiederum hängt auch mit der Muskelmasse zusammen, die im Alter kontinuierlich abnimmt. Denn Muskeln sind der größte Treiber für einen gesunden Stoffwechsel. 

So ermüden die meisten älteren Hunde schneller, schlafen ausgiebiger am Tag oder nach dem Gassi und sind insgesamt fauler und behäbiger – also alles ähnlich wie bei uns Menschen auch. Interessanterweise sind größere Rassen stärker betroffen als kleinere, und manche Rassen gelten ohnehin als besonders verschlafen. Zu den faulsten Hunden zählen Greyhounds, Bullmastiffs, Chow-Chows, Bernhardiner, Bassets und Neufundländer. Aber auch Beagle, Golden und Labrador Retriever, Boxer und Schäferhunde gönnen sich gerne ein Schläferstündchen zusätzlich.

Ein weiteres Phänomen: Die meisten Hunde schlafen im zunehmenden Alter tiefer als im jungen Erwachsenenalter und lassen sich zudem viel schlechter wecken, was zum Teil auch mit der nachlassenden Leistung des Gehörs zusammenhängt. 

Wie viel schlafen alte Hunde?

Es gibt keine allgemeingültige Formel, wie viel ein alter Hund schläft. Am oberen Ende der Skala können es durchaus 20 oder 22 Stunden sein, die dein Hund schlafend oder schlummernd verbringt. Letztendlich ist Seniorenschlaf so individuell wie deine Lakritznase selbst.

Gibt es ein deutliches „Zuviel“ an Schlaf? Diese Frage kann nicht abschließend geklärt werden. Verhaltenstierärzte raten dazu, das Schlafverhalten des Hundes genau zu beobachten und zu protokollieren. Mehr Stunden auf dem sanften Ruhekissen an sich sind nicht beunruhigend, eine deutliche Veränderung im Schlafzyklus allerdings schon. Auch wenn deinem Hund jegliche Energie zu fehlen scheint, kann das ein Anzeichen für ein tieferliegendes Problem sein. Kommen weitere Auffälligkeiten dazu (etwa vermehrter Durst, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall) hinzu, ist ein Besuch beim Tierarzt ratsam.

Verändertes Schlafverhalten – ein Warnsignal

Bis zu einem gewissen Grad sind geänderte Schlafgewohnheiten dem Alter geschuldet und normal. Doch ausdauernder Schlaf am Tag gepaart mit einem nächtlichen Umhergeistern kann ein Zeichen einer beginnenden Demenz sein. Für Dr. Melissa Bain, Professorin für klinisches Tierverhalten an der UC Davis, zählen derart gestörte Schlaf-Wach-Zyklen zu den Leitsymptomen der sogenannten „canine cognitive dysfunction (CCD). Und Dr. Joan Hendricks hat festgestellt, dass vor allem Hunde mit einer kognitiven Störung „in den Sonnenuntergang fallen“, bei Einbruch der Dunkelheit verwirrt und unruhig werden und nicht mehr einschlafen können. 

Weitere Symptome einer Demenz sind unter anderem:

  • Desorientiertheit
  • Unsauberkeit
  • verminderte soziale Interaktion
  • schlechteres Konzentrationsvermögen. 

Aktuelle Studien legen nahe, dass rund die Hälfte aller älteren Hunde eines oder mehrere Symptome einer beginnenden Demenz zeigt, ohne dass dies von ihren Zweibeinern erkannt wird. 

Doch es muss nicht immer Alzheimer sein: Auch Herzerkrankungen oder eine Herzinsuffizienz können, ebenso wie Schmerzen, eine sogenannte Nachtangst und Panikattacken bei Hunden auslösen, die sie in der Folge nicht schlafen lässt. Mehr Infos über nächtliche Unruhe bekommst du im Beitrag „Warum dein alter Hund nachts unruhig ist“.

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Warum schnarchen alte Hunde?

Meine Idgie schnarcht schon immer wie ein ganzes Rudel Holzfäller – bislang war das kein Grund für getrennte Schlafzimmer. Viele Hundemenschen haben aber die Erfahrung gemacht, dass vor allem alte Hunde laut und vernehmlich schnarchen. Der Grund: Das Bindegewebe rund um die Atemwege verliert mit zunehmendem Alter an Straffheit und damit an Haltekraft. Das lockere Gewebe führt zu mehr Luftwiderstand und damit auch zu deutlichem Schnarchen. Ein weiterer Grund für vernehmliches Schnarchen kann die Liegeposition sein. Denn eine ungünstige Schlafposition oder Kopflage kann die Atemwege komprimieren und so zum Schnarchen führen. Ernstere Ursachen können eine Infektion oder ein Tumor in den Atemwegen sein. 

Gut zu wissen: Besonders hart trifft es beim (Alters-)Schnarchen die kurzschnäuzigen Rassen wie Möpse und Bulldoggen, sie können sogar an einer Art Schlafapnoe leiden. „Wenn Sie eine brachycephale Rasse haben und Ihr Hund laut und häufig schnarcht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er an Schlafapnoe leidet“ so Joan C. Hendricks. Das brachyzephale Atemwegssyndrom geht mit einer schlechten Schlafqualität einher und kann die Gesundheit des Hundes beeinträchtigen, so die Tierärztin. Außerdem führt der unterbrochene Schlaf zu erhöhter Müdigkeit und Trägheit. 

Das kannst du für deinen alten Hund (mit Schlafproblemen) tun

✓ Führe ein Schlaftagebuch, in dem du die Wach- und Ruhezeiten deines Vierbeiners festhältst. Am besten schon in jungen Jahren – so bemerkst du schleichende Veränderungen der Gewohnheiten schneller. Hilfreich ist auch unser Dog Journal für Hundesenioren, in dem du die wichtigsten Ereignisse eures Alltags protokollierst.

✓ Bei stark verändertem Schlafverhalten und weiteren Anzeichen einer kognitiven Störung (Unsauberkeit, Orientierungslosigkeit) oder anderen Erkrankungen ist ein Besuch und eine Beratung beim Tierarzt sinnvoll.

✓ Schaffe für deinen Hund Struktur und Orientierung und passe deinen Rhythmus den veränderten Gewohnheiten deiner Fellnase an. Hilfreich können zudem nächtliche Lichtquellen, bequeme und gut erreichbare Schlafstätten und häufige Ruhephasen sein. Unterstützend ist ein geregelter und verlässlicher Tagesablauf. 

✓ Sorge für viel frische Luft und Sonnenlicht, gerade beim verändertem Schlaf-Wach-Rhythmus ist das Sonnenlicht hilfreich, um die körpereigenen Müdigkeits-Hormone zu stimulieren.

✓ Achte auf eine ausgewogene Ernährung.

✓ Etabliere eine Abendroutine, die aus einem letzten kurzen Gassigang, einer Massage und/oder gemeinsamem Kuscheln besteht, um deinem Senior das Einschlafen zu erleichtern. 

✓ Deine Spaziergänge sollten kürzer ausfallen, dafür aber häufiger stattfinden. Um deinen Hund auszulasten und geistig fit zu halten, bieten sich zudem kleine Schüffelspiele in der Wohnung an.

✓ Reduziere Stress und schaffe ruhige Rückzugspunkte für deinen Hund in der Wohnung.

✓ Hunde, die unter Gelenkschmerzen oder Arthritis leiden, profitieren von einem speziellen orthopädischen Hundebett. (AffilateLink*)

✓ Informiere dich umfassend über die Bedürfnisse deines alten Hundes. Ich empfehle dir dieses Buch (Der alternde Hund: Verhalten – Medizin – Biologie* von Sophie Strodtbeck und Bernd Schröder – erscheint Ende November)

Und wie sind deine Erfahrungen mit altem Hund? Schreib es in die Kommentare!

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